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Autor/inLeder, Johanna Stephanie
TitelPedagogic Practice and the Transformative Potential of Education for Sustainable Development. Argumentation on Water Conflicts in Geography Teaching in Pune, India.
QuelleKöln: Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (2016), 344 S.
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Dissertation, Universität zu Köln, 2016.
Spracheenglisch
Dokumenttyponline; Monographie
URNurn:nbn:de:hbz:38-76573
SchlagwörterPädagogische Praxis; Wasserhaushalt; Geografieunterricht; Bildung für nachhaltige Entwicklung; Nachhaltigkeit; Nachhaltige Entwicklung; Dissertation; Indien
AbstractKonflikte um natürliche Ressourcen stellen eine große gesellschaftliche Herausforderung dar. Transnationale Bildungspolitiken wie "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) betonen die Bedeutung der Bildung für ein kritisches Umweltbewusstsein und ein nachhaltiges Umwelthandeln sowie gesellschaftliche Teilhabe. Ansätze wie die Förderung kritischen Denkens und der Erwerb von Argumentationskompetenzen zu Mensch-Umwelt-Beziehungen sind relevant, um an Entscheidungsfindungen zur nachhaltigen Entwicklung teilnehmen zu können. Darin begründet sich das transformative Potential der BNE. Die vorliegende Arbeit untersucht die folgende Fragestellung empirisch: "Vor welche Herausforderungen stellt die transnationale Bildungspolitik `Bildung für nachhaltige Entwicklung´ die pädagogische Praxis im indischen Geographieunterricht?". Diese Studie erforscht die pädagogische Praxis und das transformative Potential der BNE im Rahmen des heterogenen Bildungssystems in Indien. Die Untersuchung an englischsprachigen Sekundarschulen in der entstehenden Megastadt Pune richtet den Fokus auf institutionelle Regulierungen, Machtbeziehungen und kulturelle Werte, welche den indischen Geographieunterricht am Beispiel des Themas Wasser strukturieren. Um die Herausforderungen zu analysieren, welche die Umsetzung von BNE in die pädagogische Praxis begleiten, geht die Arbeit einer theoretisch begründeten und didaktisch orientierten Analyse nach. Auf der konzeptionellen Ebene verfolgt die Studie eine interdisziplinäre Synthese mit Anstößen aus geographischer Entwicklungsforschung, Geographiedidaktik und soziologischer Bildungsforschung. Für die Analyse der transformativen pädagogischen Praxis wurden Konzepte aus BASIL BERNSTEINs Soziologischer Theorie der Bildung (1975-1990), aus PAOLO FREIREs Kritischer Pädagogik und aus dem geographiedidaktischen Ansatz der Argumentationskompetenzen (BUDKE 2010, 2012) aufgenommen und zu einer Grundlegung für den theoretischen Ansatz miteinander verbunden. Dieser konzeptionelle Rahmen ermöglicht eine integrative Mehrebenenanalyse, die den Status quo der pädagogischen Praxis abbildet und Möglichkeiten aufweist, um Schülerinnen und Schüler daraufhin vorzubereiten und zu ermutigen, Vorreiter für eine soziale Transformation und Umwelttransformation zu werden. Die Studie basiert auf neun Monaten Feldforschung an fünf englischsprachigen Sekundarschulen in Pune in der Zeit zwischen 2011 und 2013. Qualitative Sozialforschungsmethoden wie qualitative Interviews, Dokumentenanalyse und Unterrichtsbeobachtungen wurden mit einer Interventionsstudie im Geographieunterricht kombiniert. Die Analyse der transformativen pädagogischen Praxis ist in drei zusammenhängenden Ebenen differenziert: Dokumentenanalyse, Feldforschung und Aktionsforschung. Zuerst wurde anhand einer inhaltlichen und methodischen Analyse von Bildungspolitiken, Curricula, Lehrplänen und Geographieschulbüchern untersucht, wie institutionelle Regulierungen für die formale Schulbildung in Indien zu den Prinzipien der Bildung für nachhaltige Entwicklung stehen. Im Gegensatz zu dem National Curriculum Framework (2005), welches ähnliche pädagogische Prinzipien wie BNE fördert, stellen die Inhalte und Methoden in Geographielehrplänen und Schulbüchern einen fragmentarischen, fakten- und definitionsorientierten Ansatz zu dem Thema Wasser dar. Die Ressource Wasser wird als gegebene Ressource und der Zugang zu Wasser wird nicht als sozial konstruiert betrachtet. Die Kontroversität verschiedener Perspektiven auf den Zugang zu Wasser in der urbanen Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler wird nicht dargestellt. Dies stellt einen Gegensatz zu den BNE-Prinzipien dar, welche eine integrierte, kompetenz- und problemorientierte Behandlung von Mensch-Umwelt-Themen befürworten. In einem zweiten Schritt wurde untersucht, wie Machtbeziehungen und kulturelle Werte von Lehren und Lernen die pädagogische Praxis prägen und in welchem Verhältnis diese zu BNE-Prinzipien stehen. Bei den beobachteten Unterrichtsmethoden sind Lernende Reproduzenten von Wissen, da erwartet wird, dass sie die Lerninhalte von Lehrenden und aus Schulbüchern wiedergeben. Die Lehrer-Schüler- Interaktion wird durch starke Rahmung und Klassifizierung der Unterrichtskommunikation gestaltet, in welcher Normen und Werte des Respekts und der Autorität vermittelt und kaum Fragestellungen und kritisches Denken gefördert werden. Das Schulbuch reguliert die Kommunikation im Unterricht, da die Rolle des Lehrenden in der Vermittlung des vorstrukturierten Wissens aus den Schulbüchern besteht. Die Vorgaben in Lehrplänen und Schulbüchern lassen kaum genug Zeit und Raum für die Lernenden, um Kompetenzen im Geographieunterricht zu entwickeln und schränken die Handlungsmacht und die Kontrolle des Lehrenden über Auswahl, Sequenzierung, Geschwindigkeit und Beurteilung von Lerninhalten und Kompetenzen ein. Diese Normen repräsentieren ein Performanzmodell, welches im Gegensatz zum Kompetenzmodell der pädagogischen Praxis der BNE steht. Als demokratisierender Lehransatz steht BNE im starken Kontrast zu den traditionellen hierarchischen Strukturen, die in Indiens Bildungskontexten auftreten und reproduziert werden. In einem dritten Schritt wurden institutionelle, strukturelle und sozio-kulturelle Herausforderungen und Möglichkeiten für die Umsetzung von BNE-Prinzipien in den indischen Geographieunterricht mit Hilfe einer Interventionsstudie identifiziert. Um zu untersuchen, wie BNE-Prinzipien durch Argumentation über urbane Wasserkonflikte gefördert werden können, werden die drei BNE-Unterrichtsmethoden "Bildernetzwerk", "Meinungsstrahl" (MAYENFELS & LÜCKE 2012) und "Regenbogendiskussion" (KREUZBERGER 2012) für die Thematik und den Kontext adaptiert. Der Implementierungsprozess zeigt, wie die starke Klassifizierung und Rahmung im indischen Geographieunterricht abgeschwächt werden kann. Während sich die Nutzung des Unterrichtsraums und der Unterrichtsressourcen verändern und die Lernenden aktiv teilnehmen, bleibt die Fokussierung auf Vorträge, Sequenzierung und formale Lehrer-Schülerinteraktion jedoch bestehen. Letztere beeinflussen die Reinterpretation von BNE-Unterrichtsmethoden durch Lehrende und Lernende. Dies deutet darauf hin, dass BNE und die Förderung von Argumentationskompetenzen nur teilweise in die vorherrschenden Prinzipien der pädagogischen Praxis eingreifen. Die Ergebnisse zeigen, wie der Bildungsdiskurs um BNE eine prinzipielle Herausforderung für den reproduktiven Modus der pädagogische Praxis im indischen Geographieunterricht darstellt, da Normen und kulturelle Werte von Lehren und Lernen unterlaufen werden. Dennoch kann BNE als transformative pädagogische Praxis dazu beitragen, dass geographische Unterrichtsinhalte und -methoden so überarbeitet werden, dass Schülerorientierung, kritisches Denken und Argumentationskompetenzen schrittweise gefördert werden können. Mit einem Verständnis über den gesellschaftlichen Kontext und darüber, wie Machtbeziehungen pädagogische Praxis gestalten und darin reproduziert werden, können Bildungsreformen besser mit der sozialen Realität verknüpft werden. Die Studie hebt hervor, dass Forschung und Politik aufzeigen müssen, wie Unterrichtsprinzipien verändert werden können, um Schülerinnen und Schüler zu befähigen, Wissen und Kompetenzen zu erlangen, um an gesellschaftlichen Entscheidungsfindungen, z.B. bei Wasserressourcenkonflikten, teilzunehmen und um sich als kritische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger bewusst für eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen. (Orig.).

Natural resource conflicts are major societal challenges. Transnational educational policies such as Education for Sustainable Development (ESD) stress the role of education for critical environmental consciousness, sustainable environmental action, and societal participation. Approaches such as the promotion of critical thinking and argumentation skill development on controversial human-environment relations are relevant to participate in decision-making on sustainable development. The transformative potential of ESD is based on these approaches. This thesis empirically examines the following research question: "Which challenges exist for the translation of the transnational educational policy Education for Sustainable Development (ESD) in pedagogic practice in geography teaching at English-medium secondary schools in Pune, India?" This study investigates pedagogic practice and the transformative potential of ESD within the setting of India´s heterogeneous educational system. The analysis at five English-medium secondary schools in the emerging megacity of Pune focuses on the institutional regulations, power relations and cultural values that structure Indian geography education on the topic of water. To analyze the challenges that exist for the implementation of ESD in pedagogic practice, the study follows a theoretically anchored and didactically oriented analysis. At the conceptual level, this study pursues an interdisciplinary synthesis with elements of geographical developmental research, geographical education research, and sociology of education research. The theoretical framework for transformative pedagogic practice links concepts of BASIL BERNSTEIN´s Sociological Theory of Education (1975-1990), PAOLO FREIRE´s Critical Pedagogy (1996) and the didactic approach of argumentation skill development (BUDKE 2010, 2012). This conceptual approach offers an integrative multi-level analysis, which reflects the status quo of pedagogic relations and shows opportunities to prepare and encourage students to become vanguards for social and environmental transformation. The study is based on nine months of fieldwork at five English-medium secondary schools in Pune between 2011 and 2013. The methodological framework combines qualitative social science methods such as qualitative interviews, document analyses and classroom observations with an intervention study in geography lessons. The analysis of transformative pedagogic practice is differentiated into three interrelated levels: document analyses, field work and action research. Firstly, the thematic and methodological analysis of educational policies, curricula, syllabi and geography textbooks examines how institutional regulations for formal school education in India relate to the principles of ESD. In contrast to the National Curriculum Framework (2005), which promotes pedagogic principles similar to ESD, the contents and methods in geography syllabi and textbooks display a fragmented, fact-oriented and definition-oriented approach to the topic of water. The resource of water is presented as a fixed commodity, and the access to water is not depicted as socially constructed. The controversy of differing perspectives on water access in the students´ urban environment is not presented. This contradicts ESD principles, which favor an integrated, skill-oriented and problem-based approach to topics at the human-environment interface. Secondly, the study examines how power relations and cultural values of teaching and learning shape pedagogic practice, and how these link to ESD principles. Teaching methodology in observed geography lessons depicts students as reproducers of knowledge, as they are expected to repeat teaching contents spelled out by the teacher and in textbooks. Strong framing and classification of classroom communication shape the teacher-student interaction. Current pedagogic practice in India transmits norms and values of respect and authority, rather than promoting questioning and critical thinking. The textbook governs classroom interaction, as the role of the teacher is to transmit a pre-structured selection of knowledge as depicted in the textbooks. The prescriptions in syllabi and textbooks barely leave enough time and space for students to develop skills in geography lessons, and constrain teacher´s agency and control over the selection, sequence, pacing and evaluation of knowledge and skills. These norms represent a performance mode of pedagogy, which contrasts with the competence mode of pedagogic practice in ESD. As a democratizing teaching approach, ESD principles are in strong juxtaposition to the traditional hierarchical structures that occur and are reproduced in the country´s myriad of educational contexts. Lastly, an intervention study identifies institutional, structural, and socio-cultural challenges and opportunities to translate ESD principles into geography teaching in India. To examine how ESD principles can be interpreted through argumentation on urban water conflicts, three ESD teaching modules "Visual Network", "Position Bar" (MAYENFELS & LÜCKE 2012), and "Rainbow Discussion" (KREUZBERGER 2012) were adapted to the topic and context of this study. The implementation process demonstrates how strong classification and strong framing in Indian geography education can be weakened. While the use of classroom space and teaching resources is changing and students actively participate, the focus on presentation, sequence and formal teacher-student interaction is sustained. The latter shapes teachers and students´ re-interpretation of the ESD teaching modules. This implies that ESD and the promotion of argumentation skills only partly intervene in prevalent principles of pedagogic practice. The results demonstrate how the educational discourse of ESD fundamentally challenges the reproductive mode of pedagogic practice in the case of geography education in India, as it subverts cultural values, norms and constructions of teaching and learning. Despite this, ESD as a transformative pedagogic practice can contribute to gradually revising current geography teaching contents and methods towards promoting learner-centered teaching, critical thinking, and argumentation skill development. A contextualized understanding of how power relations shape and are reproduced in pedagogic practice can better link educational reforms to social reality. The study emphasizes the need for researchers and policy makers to demonstrate how principles of schooling can be altered for empowering students to obtain skills and gain knowledge to participate in decision-making, for example, concerning water resource conflicts, and to espouse sustainable development as conscious and critical citizens. (Orig.).
Erfasst vonDeutsche Nationalbibliothek, Frankfurt am Main
Update2018/1
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